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Weitere Heimatgeschichtliche Meldungen aus Philippsburg aus dem Jahr 2007
Diese Veranstaltungen und Ereignisse stehen nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Heimatverein Philippsburg e. V.
oder dem Museumsbauverein Philippsburg e. V.
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Zu den Beiträgen aus den Jahren 2005/2006 und 2008 bitte Jahreszahl anklicken

Kunstführer Pfarrkirche
St. Maria neu erschienen

Aufgrund der großen Nachfrage nach dem 2004 erstmals aufgelegten Kirchenführer (inzwischen vergriffen) erscheint in diesen Tagen die zweite Auflage. Diese Ausgabe ist um vier Seiten erweitert und berücksichtigt auch neue Fotos und Texte u.a. Vorworte von Pfarrer Thomas A. Maier und Bürgermeister Stefan Martus. Kurz vor ihrem Tode hatte Aenne Burda, die Gattin unseres Ehrenbürgers, noch die Zustimmung gegeben, das Gotteshaus als "Taufkirche Senator Dr. Franz Burda" offiziell bezeichnen zu dürfen. Die Broschüre kostet 4,80 Euro und ist in den üblichen Verkaufsstellen zu haben.

Ekkehard Zimmermann
Stadtanzeiger 20.12.2007
 

Erstmals veröffentlicht: Fürstbischof Johannes Hugo von Orsbeck, der den Bau der Kirche (1709) ermöglichte. Orsbeck war der unmittelbare Vorgänger von Damian Hugo von Schönborn
Foto: Stadtarchiv
 

Hieronymus Nopp hätte sich gefreut

Eröffnung des historischen Philippsburger Altstadt-Rundgangs

Unter starker Beteiligung der Bevölkerung wurde feierlich der Philippsburger Altstadt-Rundgang eröffnet. Die Stadt erhofft sich hierdurch nicht zuletzt Impulse für den Tages- und Radtourismus. Bürgermeister Stefan Martus und Volksbank-Vorstand Andreas Hoffmann enthüllten hierzu die "Start"-lnfotafel mit der Bezeichnung "Schloss". Ausgehend vom Philippus-Brunnen auf dem lle-de-Re-Platz sind an 17 Stationen
in der Stadt so genannte Pylonen im Boden verankert. Dies sind dreiseitige, farbige Informationssäulen, die auf der ersten Seite die Geschichte des Objektes am Standort und auf der zweiten Seite Bilder oder Kupferstiche der Objekte oder von Teilen aus frühe­ren Tagen darstellen. Die dritte Seite zeigt jeweils einen Stadtplan mit den 17 Stationen. Mit dessen Hilfe wird man an jeder Station vorbeigeleitet, gleichgültig, an welcher Stelle man mit dem Rundgang beginnt. Die vierte Dimension ist das historische Objekt in der heutigen Form am jeweiligen Standort. Bürgermeister Martus sagte in seiner Rede zur Eröffnung des Rundgangs, dies bedeute die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. Er dankte dem Gemeinderat, der das Projekt von Beginn an sehr positiv angenommen habe, ebenso der Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt, vertreten durch Bankvorstand An­dreas Hoffmann. Eine der "tragenden Säulen "im ganzen Ge­schehen sei Ekkehard Zimmermann gewesen, der die Texte lieferte und Inhalt und Standort der Tafeln mit festgelegt habe und die ausführende Firma Logikum unterstützt habe. Dank sagte er auch Dr. Dahmen als Vorsitzenden des Vereins der Zinnfigurensammler, der die Genehmigung gegeben hatte, Teile der entsprechenden Sammlung im Festungs- und Waffengeschichtlichen Museum zu fotografieren. Wertvolle Arbeit habe mit hervorragenden Fotos Wolfgang Bubenitschek und viel Arbeit im Vorfeld der städtische Bauhof geleistet. Er freue sich, Bürgermeister einer Stadt zu sein, die eine solche geschichtliche Bedeutung aufweise. Das wenige Historische, das man noch habe, müsse erhalten und gepflegt werden. Dank des neuen Rundgangs könne man ab jetzt interessierten Einheimischen, hoffentlich vielen Schulklassen und auswärtigen Besuchergruppen die Geschichte der historischen und noch vor­handenen Gebäude und Plätze bildhaft vor Augen führen. "Wenigstens das sind wir unserer Stadtgeschichte schuldig."Im Foyer der Volksbank spielten Sieglinde Frank, Willi Ester und Kevin Gerl von der Musikschule zwei Stücke für Saxophon. Ekkehard Zimmermann erläuterte die inhaltliche Konzeption des Rundgangs. Bei der Auswahl der Sehenswürdigkeiten habe die Historie eine besondere Rolle gespielt. Mit der Wiedergabe zeitgenössischer Kupferstiche und Zinnfiguren erfolge die Hinwendung zur geschichtlichen Dimension. Dies werde durch Fotos als Details aus dem Festungs- und Schlossmodell ergänzt. Alle Beschreibungen sind auch in Englisch und Französisch wiedergegeben. Wenn Hieronymus Nopp, Philippsburgs be­deutendster Sohn, vor allem als Historiker, dieser Feierstunde beiwohnen könnte, würde er sicher die heutigen Gefühle der Freude und Dankbarkeit nachvollziehen, sagte Zimmermann.

Reeb
Stadtanzeiger 31.10.2007
 

Blickfang im Burda-Museumshof

Philippsburger Blumenbrunnenfest mit Musik, Braten und Bier

Es sind die Bürger, die einer Stadt ihr Gesicht geben. Ihre Aktivität lässt wie in Philippsburg eine Stadt auch im wörtlichen Sinn aufblühen. Das wurde jetzt mit einem Blumenbrunnenfest im Hof des Festungs- und waffengeschichtlichen Museums, auch Burda-Museum genannt nach dem hochherzigen Stifter und Sohn der Stadt Senator Dr. Franz Burda, gebührend gefeiert. Anlass hierfür war nicht zuletzt die jüngste Erringung einer Bronzemedaille durch Philippsburg beim bundes­weiten Entente-Florale-Wettbewerb "Unsere Stadt blüht auf".
Zu dieser Auszeichnung hatte auch dieser mehrstufige Blumenbrunnen beigetragen, den die private Bürgerinitiative "Pro Philippsburg" unter Leitung von Gaby Verhoeven-Jacobsen bepflanzt, gepflegt und mit Terracotta-Elementen ausgestattet hatte. Beigeordneter Dieter Day dankte ihr jetzt im Namen der Stadt und des Bürgermeisters, der die Schirmherrschaft über­nommen hatte. Ein farbenfroher Blickfang sei damit geschaffen worden, lobte er die Initiative. Diese hatte im Vorjahr bereits Kärrnerarbeit bei der Renovierung des Bahnhofs geleistet und ein Bahnhofsfest ausgerichtet. Mit all dem wolle man ein Zei­chen setzen und den Bürgern Freude bereiten, sagte die Initiatorin. Begrüßen konnte sie auch Pfarrer Thomas Maier, Kreisrat Karlheinz Kerner und Polizeioberrat Peter Kremer, Leiter des Philippsburger Reviers.

Während die KaGe Narhalla für die Verköstigung der Gäste in den Bankreihen im Freien sorgte, spielten im Laufe des Tages der Musikverein Concordia Neudorf, die Badner Schalmeien Philippsburg und abends die Strassergarde Rheinhausen auf. Die Bankreihen waren voll besetzt von Zuhörern, zumal nach den Wolken strahlend blauer Himmel sichtbar wurde. Die mit Hingabe spielenden Musiker erhielten Beifall über Beifall. Übri­gens konnten sich Interessierte im Hof auch durch eine Equipe aus Polizei, THW und Feuerwehr ihr Fahrrad codieren lassen. Außerdem war gleich nebenan im Grundbuchamt eine reizvolle Ausstellung von Philippsburger Ortsansichten auf Bildern von (erwachsenen) Schülern des Malers Manfred Bentz und von dem verstorbenen Maler Fred Feuerstein aus der Zeit um 1985 zu sehen. Auch das Festungsmuseum selbst wurde von rund 70 Gästen bei dieser Gelegenheit besucht.

Reeb
Stadtanzeiger 13.09.2007
 

Historisches Grabdenkmal gesichert

Geschichtlich wertvolle Grabsteine sollen erhalten bleiben

Das ehemalige Amtsstädtchen Philippsburg hat mit dem alten Teil seines Friedhofes ein wenig bekanntes Kleinod in Besitz. Hier haben sich im Gegensatz zu anderen Landgemeinden historische Grabmäler, Kreuze und Bildwerke ab Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten. Man kann auf diesem Friedhof die ver­schiedenen Formen und künstlerischen Ausführungen von Grabanlagen bis in unsere heutige Zeit anschaulich erleben. Man steht vor Gräbern wie dem des badischen Amtmanns Keller aus dem Jahre 1838, aber auch die letzten Ruhestätten von Bürgermeistern und Pfarrern der Stadt Philippsburg haben sich erhalten. Gedenksteine, die die Namen der alten Philippsburger Geschlechter wie Breitner, Hildenstab, Nopp, Maurer usw. tra­gen und die zum Teil Auskunft über Tätigkeit und Beruf geben, zeugen von der Geschichte der alten Festungsstadt und ihrer Bürger.

In jüngster Zeit drohte nun die Gefahr, wegen der Neubelegung eines Grabes einen weiteren historischen Grabstein für immer zu verlieren. Es ist das Grab von Nikolaus Maurer und seiner Frau Katharina geb. Colgan.

Nikolaus Maurer ging als junger Mann im Jahre 1858 mit anderen Philippsburgern nach Australien, um dort sein Glück zu machen und Gold zu suchen. Dort lernte er die aus Irland stammende Katharina kennen und lieben. 1869 heirateten die beiden in Australien und entschlossen sich, ihr weiteres Leben in Europa, in Philippsburg zu verbringen. Mit dem verdienten Geld wollte man hier eine neue Existenz aufbauen. Als die beiden in Heidelberg ankamen, wurde Nikolaus verhaftet, weil er ohne den Militärdienst abzuleisten nach Australien gegangen war. Dieses musste er nun nachholen und zu seinem Unglück war auch noch der Krieg 1870/71 ausgebrochen, den er zwangsweise mitmachen musste. Die Eltern, die eine Ausländerin als Schwiegertochter nicht akzeptieren wollten, holten Katharina in Heidelberg nicht ab, setzten ihren Sohn über diese Tatsache aber nicht in Kenntnis. Die schwangere Katharina war nun ganz alleine in Heidelberg und entschloss sich aus dieser schlimmen Situation heraus, in ihre Heimat, nach Irland zu Verwandten zu reisen. Dort brachte sie am 11. April 1871 ihre Tochter Elisabeth zur Welt. Nikolaus wurde 1872 aus dem Militärdienst entlassen und musste feststellen, dass seine Katharina in der Familie nicht aufgenommen worden war. Er reiste nach Maas in Irland, wo er Frau und Tochter in die Arme schließen konnte. Gemeinsam reisten sie zurück und kauften am 3. Mai 1872 das Gasthaus "Zum Adler" in Philippsburg. Nikolaus Maurer verstarb schon am 21. Mai 1881 als angesehener Adlerwirt. Katharina verstarb im Alter von 79 Jahren und hat weder das heiße Australien noch das grüne Irland je wieder gesehen. Die in Naas geborene Tochter Elisabeth heiratete am 11. Oktober 1892 Franz Hermann Odenwald, der das Gasthaus "Zum Adler" weiter betrieb.

Die Stadt Philippsburg ist schon jahrelang bemüht, diese geschichtlichen Denkmäler für die Nachwelt zu sichern. Im jüngsten Fall erklärten sich die Nachfahren bereit, die nicht unerheblichen Kosten für die Restauration und Versetzung des alten Grabsteins aufzubringen. Gleichzeitig entschloss man sich, am oben genannten und an dem in der Nähe liegenden Grabstein von Heinrich Maurer, er war Bürgermeister von Philippsburg während der Revolution 1849, je eine Hinweistafel aufzustellen. Für die Unterstützung beim Anfertigen der Hinweistafeln möch­ten wir uns bei den Firmen Schreinerei Peter Steinel und T&S (Tomic & Glavas) Metallbau und Blechbearbeitung sehr herzlich bedanken. Die Hinweistafeln ermöglichen es in Zukunft auch Bürgern ohne tiefe Kenntnisse der Heimatgeschichte, unmittebar am Objekt Einblicke in die hiesige Geschichte zu nehmen.

Rüdiger Herberger († 2007)
Stadtanzeiger 06.09.2007
 

"Im Schatten der Festung"

Philippsburger Geschichte in einer Zusammenschau von Yvonne Zimmermann

Das Wesen der Geschichte öffnet sich weniger in der Zusammenführung von Jahreszahlen und eigentlichen Fakten, sondern der Zusammenschau und dem In-Beziehung-Setzen der Entwicklungen, Ereignisse, Gründe und Folgen. Ist dies schon in kaum Vergangenheit gewordener Gegenwart oft genug schwierig und nicht immer leicht zu lösen, so trifft es in ungleich stärkerem Maße für eine Jahrhunderte zurückliegende Vergangenheit zu. Manches mag mit dem zeitlichen Abstand später klarer werden. Und doch sind die Einschätzungen von Ereignis­sen, das Wissen, aber auch die Empfänglichkeit für das Erkennen der Zusammenhänge nie eine einfache Sache, nicht zuletzt abhängig von der Betrachtungsweise des Einzelnen.

Yvonne Zimmermann, die ihr Studium der Germanistik und Geschichte beendet hat und zu promovieren beabsichtigt, hat kurz vor ihrem vorläufigen Weggang aus der Region nach jenseits des Kanals in der Philippsburger Stadtbibliothek einen Vortrag "Im Schatten der Festung" gehalten. Der Untertitel "Das Ver­hältnis von Philippsburg zu Oberhausen-Rheinhausen von Be­ginn bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts" weckte dabei sicher besonderes Interesse, wenn auch die Angaben hierzu wahr­scheinlich nicht so sehr umfänglich sind. Von den Speyrer Bischöfen und wechselnden Herren, Abgaben und Bestechungen hörte man, auch der strengeren Aufsicht durch diese Obrigkeit, nachdem sie von Speyer nach Philippsburg gewechselt war.

Freilich lassen sich viele historische Situationen nicht verallgemeinern. Gerade für Udenheim/Philippsburg gilt aber auch das Wort, dass es sich unter dem Krummstab (des kirchlichen Herrn) gut leben lasse. Eine besondere Rolle des Vertrags spiel­ten dann Vorgeschichte und Entwicklung des 30-jährigen Krieges, Fürstbischof Philipp von Sötern und die verschiedenen Festungsbaumaßnahmen, Reminiszenzen an ein oft sehr disso­nantes Konzert der in Europa um Einflusserweiterung bemüh­ten verschiedenen Mächte. Über Hauptmann Bamberger und den Marschall Turenne, das enorme Leiden und Sterben unter der Bevölkerung durch Krieg und Pest spannte sich der Bogen bis zum Frieden 1648 und die noch Jahre andauernde weitere französische Herrschaft in Philippsburg und seinem Umland. Kerstin Egle bedankte sich bei der Referentin abschließend für die Stadtbibliothek mit einem Blumenstrauß.

Reeb
Stadtanzeiger 29.06.2007
 

"Nooit meer oorlog - Nie wieder Krieg" als flämisches Vermächtnis

Wehmütiger Abschiedsbesuch nach 34 Jahren Philippsburg-Fahrten

In den letzten schlimmen Kriegsjahren 1944 - 45 verteidigten mit den deutschen Truppen auch blutjunge flämische Flaksoldaten das zusammenbrechende Reich am Rhein. Viele gaben ihr Leben. In Philippsburg und Rheinsheim, Liedolsheim, Rußheim, Bellheim, Germersheim und Lingenfeld kämpften sie. Einige wenige blieben in Deutschland, heirateten hier. Die anderen kehrten zurück in ihre Heimat Flandern, wo viele vom Staat gnadenlos als Verräter verfolgt wurden. Die menschliche Zuwendung und Hilfe durch die deutsche Bevölkerung am Rhein vergaßen sie nie. Sie kamen zurück dorthin, wo sie mitgekämpft und gelitten hatten, aber auch menschlich aufgenommen worden waren.

34 Jahre lang ohne Unterbrechung fuhr der Freundeskreis der flämischen Flaksoldaten seit 1974 mit Familien, Bussen und Privatwagen zu Freundschaftstreffen zurück nach Philippsburg. Jetzt kamen rund achtzig von ihnen mit Angehörigen über Pfingsten zu einem berührenden letzten offiziellen Besuch. Etwa zwanzig Altsoldaten leben nur noch. Viele waren gerade 17 Jahre alt bei Kriegsende. Sie sind inzwischen um die achtzig, viele schon verstorben, und die Mühe des Reisens wird zu groß. In den besten Zeiten waren es bis zu 240 Flamen, die ihre jährlichen Pfingstbesuche bei den Freunden in Philippsburg abstatteten. Der "Vriendenkring Vlaamse Flak" mit Sitz in Antwerpen hat in Dries Timmermans schon lange einen unendlich rührigen Vorsitzenden, dessen Einsatz man auch in ihrer Vierteljahreschrift "Wachtpost" nachlesen kann. Von dem heute 83-Jährigen stammt auch ein umfangreiches Werk über die flämische Beteiligung auf deutscher Seite während des Krieges.Die symbolhafte Bindung der Flamen an Philippsburg fand bereits 1986 sichtbaren Ausdruck in der Errichtung eines Denkmals für die gefallenen flämischen Soldaten auf dem Philippsburger Ehrenfriedhof. Damit war für die Überlebenden und ihre Angehörigen ein Ort der Erinnerung und Rückbesinnung, des Kraftschöpfens in der ruhegebenden Stille der friedhöflichen Parklandschaft gefunden. Flankiert vom flämischen Fahnenträger begrüßte dort Bürgermeister Stefan Martus die flämischen Freunde in traditioneller Herzlichkeit, dankte ihnen für ihre treue Verbundenheit mit Einwohnern und Stadt Philippsburg und ver­sicherte ihnen, dass auch ohne Besuche künftig das flämische Denkmal instandgehalten und gepflegt werde. Der flämische Vorsitzende Timmermans, der sich besonders über die Anwesenheit des seinerzeit in Philippsburg gebliebenen Flamen Wim Heedfeld freute, drückte seine Dankbarkeit gegenüber Stadt, drei Bürgermeistern in Folge - Dürrschnabel, Schmidt und Martus - und der Einwohnerschaft für die jederzeit freundschaftliche Aufnahme aus, ebenso dem anwesenden Heimatvereinsvorsitzenden Hugo Wunsch, Salmclub, Museumsbauverein, Förderverein Felsenkeller und dem Fidelia-Chor Oberhausen. Sein Dank galt auch der katholischen Pfarrgemeinde St. Maria und den Pfarrern Otteny und Killer, ebenso den anwesenden Damen vom VdK-Vorstand Adelheid Wagner und Gabriele Brecht sowie dem Ehepaar Dahm.

 

An den Gräbern der früheren VdK-Vorsitzenden Emil Michal und Franz Rau auf dem allgemeinen Friedhof legten die Flamen Blumen nieder und gedachten der ihnen so verbundenen Verstorbenen.

Am Abend fand in St. Maria ein besonderer Gottesdienst zum letzten Besuch der Flamen statt, ehe man sich in deutsch-flämischer Runde zum Abschiedsessen im SKC-Bootshaus am Rhein einfand. Geschenke und Ehrengaben wurden ausgetauscht. Der Bürgermeister empfing für die Stadt ein Gemälde mit dem Emblem der Flamen, der Heimatverein übergab seinerseits eine Arbeit über die Rheinbrücke.
Das Vermächtnis für die flämischen wie die deutschen Teilnehmer des Abschiedsbesuches waren wohl die Schlussworte von Dries Timmermans schon am Morgen am Denkmal auf dem Friedhof: "Möge dieses Ehrenmal, ewiger stiller Zeuge eines sinnlosen Krieges, unseren Wunsch nach Frieden erfüllen. Wir alle träumen von einem vereinten Europa, in dem kein Platz mehr sein wird für Kriegsgewalt." "Nie wieder Krieg - Nooit meer oorlog!"

Reeb
Stadtanzeiger 31.05.2007
 

Erhaltene Mörserbombe aus dem 18. Jahrhundert gefunden
 

Auf einer Großbaustelle am Rande der Stadt wurde durch aufmerksame Arbeiter eine großkalibrige Mörserbombe gefunden und von der Polizei sichergestellt. Wie Revierleiter Peter Kremer mitteilt, ist die etwa 60 kg schwere Kugel vermutlich heute noch mit Sprengstoff (Schwarzpulver) gefüllt und musste daher umgehend dem Kampfmittel-Beseitigungsdienst Stuttgart zum Abtransport übergeben werden. Das Auffinden von Kanonenkugeln, Granaten und Bomben aus der Festungszeit ist in Philippsburg an sich keine Besonderheit. Immer wieder legt der über Jahrhunderte umkämpfte Boden Splitter von Granaten und vor allem Stückkugeln verschiedenster Geschoss-Größen frei. Das Auffinden bzw. Ausgraben einer Mörserbombe dieser Größe als "Blindgänger" ist jedoch eher selten. Aus diesem Grunde veranlasste Bürgermeister Stefan Martus sofort einen Brief an die Stuttgarter Dienststelle mit der Bitte diesen neuesten Fund nach seiner Entschärfung der Stadt zurückzugeben. Im Festungs- und Waffengeschichtlichen Museum kann die dort vorhandene Sammlung damit weiter ergänzt werden.
Es spricht vieles dafür, dass dieses Relikt von der Belagerung anno 1799 stammt. Da Mörser für das Werfen von solchen gusseisernen schweren Bomben, die oft auch noch mit Eisensplittern zusätzlich gefüllt waren, eine kurze Distanz zum Angriffziel brauchten, weist der Fundort im Festungsvorfeld auf die Abschussrichtung hin. Um sich eine Vorstellung von solchen Beschießungen zu machen, seien belegte Zahlen aus französischen Archiven genannt. Bei der Belagerung von 1734 beispielsweise wurden allein 25.000 Bomben, 86.000 "glühende" Kugeln und ca. 30.000 Sprenggranaten eingesetzt. Dabei ist die Menge der auf die Angreifer abgefeuerten Geschosse, da unbekannt, nicht eingerechnet.

Ekkehard Zimmermann
Stadtanzeiger 16.05.2007
 

Pfälzisch - Melodie einer Landschaft und ihrer Menschen

Herrliche Vorträge von Speyers OB Werner Schineller und Wilhelm Kraft

Historisch verbunden sind die Domstadt Speyer und die einstige Festungsstadt Philippsburg seit Jahrhunderten auf mannigfache Weise. Neues Leben erhielt die Verbindung unlängst durch einem Besuch des neuen Philippsburger Bürgermeisters Stefan Martus bei seinem Speyerer Amtskollegen OB Werner Schineller, zusammen mit dem Heimatvereinsvorsitzenden Hugo Wunsch und dem Salmclub-Ehrenvorsitzenden Ekkehard Zimmermann. Aus der Höflichkeitsvisite wurde mehr. Jetzt bedankte sich Martus in der wohlgefüllten Philippsburger Jugendstil-Festhalle für "die wunderbare Idee", die zu so einer ganz anderen Art von Gegenbesuch geführt hatte. Und OB Schineller leitete ein, "es gibt Besuche, die bleiben nicht ohne Folgen". Jetzt mündete er in einen köstlichen Abend mit Schinellers Mundartvortrag "Pfälzisch fürs Leben", immer im Wechsel mit fröhlichen, bedächtigen und auch mal deftigen Liedern zur Gitarre von Wilhelm Kraft mit seiner warmen, sonoren Stimme. Es war ein herzerfrischender Abend, mit Wort und Klang besun­gen das kleine Paradies pfälzischer Heimat und Lebensweise, dem doch recht artverwandten badischen Nachbarn vergnüglich dargestellt. Groß erklären müsse man den Leuten im Saal das Pfälzische ja nicht, meinte Schineller, denn gegen die schwäbisch­alemannische Nachbarschaft abgeschottet sei Philippsburg ja eigentlich eine pfälzische Sprachinsel. "Kurzum, wir verstehen uns". Und Wilhelm Kraft, der Westfale, aber längst in Speyer "eingebürgert", ließ gleich hören "Die Leit hier in Baden sind anders als in Schwaben". Mancherlei bunter Querschnitt, gemischt aus Historie und Histörchen, aus der Pfalz und über die Pfälzer, Speyer und die Speyerer insbesondere, folgte mit kurzweiligen und typischen Leseausschnitten und Anmerkungen, Zitaten und Anekdoten von und über Pfälzer und die, die sie beobachteten, sie lieben oder unter ihnen litten, irgendwie von der besonderen Lebensart jedenfalls meist angesteckt wurden. Zimperlich sind die Pfälzer wohl in der Tat nicht, eingeteilt in jene fünf Klassen der je nach Aufenthaltsdauer in Speyer "Hergeloffenen" als jüngste Mitbürger am unteren Ende der Werteskala über die Fremden, die Hiesigen zu den Eingesessenen und Alteingesessenen, den Althiesigen. Und die sahen auf die anderen "wie ehrbare Bürger auf Lumpenpack herab", hatte es da einer recht drastisch beschrieben. Und wie liebenswert werden sie in Schriften der Pfälzer Mundartdichterin Lina Sommer oder von Paul Münch dargestellt. Aber dann auch als ungemütlich, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Unendlich die Zahl der Äußerungen und Meinungen über die Pfälzer, wovon Schineller genug Kostproben bereithielt. Und ihre Sprache. Sie sei die Menschheits-Ursprungssprache, sagt der eine, der Bayer empfindet sie als Zumutung, der Sachse gar als Krankheit. Andere aber waren traurig wie Lieselotte von der Pfalz, weil in Paris keiner Pfälzisch schwätze könne. Nicht fehlen konnte der Pfälzer Wein an diesem Abend, "doch Alkohol, die Lumpebrieh, die sauft e guder Pälzer nie". Wenngleich der Riesling in der Blutbahn und der Morio gut seien für die Libido", wie ein wohl Erfahrener mal konstatiert hat. "Oh liebes altes Speyer" - ein letztes Lied eines langen Abends, und die beiden Botschafter des lieben und guten neuen Speyer bekamen mit allem Applaus einem herzlichen und berührenden Abschied von alten und neuen Philippsburger Freunden Pfälzer Lebensart.

Mit Wein, aber weder aus der Pfalz noch aus Baden, so von der Partnerinsel He de Re´ bedankte sich Bürgermeister Martus bei Werner Schineller und Wilhelm Kraft. Ein Höhepunkt sei dieser Abend in Philippsburg gewesen, Weiteres solle folgen. Anschließend erläuterte Ekkehard Zimmermann den Gästen eine kleine, extra in der Festhalle arrangierte Auswahl von Darstellungen mit Speyerer Bezug aus der jüngst erstmals präsentierten reichhaltigen Philippsburger Kupferstichsammlung.

Reeb
Stadtanzeiger 16.05.2007
 

Fotos: Reeb
 

LH

Unschätzbare Bedeutung als Zeitdokumente

Aussteilungspremiere Philippsburger Kupferstiche

Als erste Ausstellung dieser Art präsentierte die Stadt Philippsburg in enger Zusammenarbeit mit der Sparkasse Karlsruhe im Foyer der Bank in Philippsbürg eine exemplarische Auswahl aus 459 historischen Stichen, Zeichnungen und Dokumenten zur Philippsburger Geschichte. Sie betreffen vor allem die Festungsvergangenheit zwischen 1615 und 1801 sowie Pläne der Zerstörung und vom Wiederaufbau nach 1801. Sie berichten aus einer Zeit, als Philippsburg über Jahrhunderte eine ungewöhnliche Bedeutung im europäischen Geschehen hatte. Sparkassendirektor Manfred Blum, der die große Gästeschar begrüßte, beschrieb neben dem Kunstwert die unschätzbare Bedeutung der Kupferstiche als Zeitdokumente, während heute täglich weltweit neue Bilder über die Bildschirme flimmern, habe man vor Jahrhunderten wichtige Nachrichten und Ereignisse in Kupfer gestochen. Damals wie heute gelte, dass ein Bild mehr als tausend Worte sage. Die Sparkasse sei stolz, so Blum, dass diese Ausstellungspremiere Phüippsburger Stiche in ihrem Hause stattfinde. Dank der Initiative von Bürgermeister Martus seien Kostbarkeiten, die lange im Verborgenen geruht hätten, zu neuem Leben erweckt worden und könnten erstmals öffentlich gezeigt werden. Seinem Haus bedeute Philippsburger Kulturförderung eine Herzensangelegenheit als Teil der gesellschaftlichen Aufgaben.

Bürgermeister Martus sagte, als er Ekkehard Zimmermann gebeten habe, die im Festungs- und Waffengeschichtlichen Museum vorhandenen Stiche zu sichten, zu katalogisieren und zu bewerten, habe er nicht geahnt, welche Kostbarkeiten die Stadt besitze. Dort, im Keller der Musikschule, im Rathaus und andernorts konnten insgesamt 459 Stiche und Zeichnungen ausfindig gemacht werden, die zunächst angemessen gerahmt werden mussten. Als Sponsor dankte Martus Karl Herd, Inhaber der Firma KHW, für großzügige finanzielle Unterstützung. Sein weiterer Gruß galt Jürgen Asmus von der Firma Blue Chip, der für die fachmännische Rahmung verantwortlich zeichne und der Stadt preislich entgegengekommen sei. Wertvolle Arbeit habe auch der städtische Bauhof geleistet, der Aufbewahrungskisten angefertigt hat. Nach dem Bezug des neuen Rathauses wolle man in Wechselausstellungen die ganze Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das wenige Historische, das man noch habe, müsse man erhalten und pflegen. Alle Kräfte, die dies genauso sähen, hätten in ihm einen Fürsprecher. Zu großem Dank verpflichtet sei die Stadt insbesondere auch der Sparkasse. Besonderen Dank sagte er Ekkehard Zimmermann, der die Ausstellung konzipiert hatte. Der verwies darauf, dass der Historiker und Bürgermeister Hieronymus Nopp schon 1885 begonnen habe, eine Art Kupferstichkabinett anzulegen, was durch Ankäufe und Stiftungen später immer wieder erweitert wurde. Stadt, Gemeinderat und Heimatverein (HV) hätten im Bemühen, das Erbe zu bewahren, vor wenigen Jahren vor allem durch Unterstützung des HV-Vorsitzenden Hugo Wunsch in Paris eine Kopie des Festungsmodells anfertigen lassen. Auch der Erwerb von Plänen von Clairac aus der Zeit um 1740 gehöre hierzu. Schließlich wurde auch ein Schlossmodell gefertigt, das von Dieter Rauh und Familie gestiftet wurde. Zimmermann fasste zusammen, dass im Rahmen einer von Bürgermeister und Rat geförderten intensiven Stadtmarketing-Strategie alle diese Sehenswürdigkeiten eine immer größere Rolle spielten. Die jetzigen dreißig Exponate seien nur ein kleiner Ausschnitt. Nun könne man auch besser themenspezifische Ausstellungen bestreiten und sich andernorts präsentieren.

Herzlichen Dank wurde dem Blockflötenensemble der Musik- und Kunstschule für die musikalische Begleitung der Ausstellungseröffnung gesagt.

Die Ausstellung ist bis 17. Mai in der Sparkasse in Philippsburg zu den üblichen Geschäftszeiten zu sehen.

Reeb
Stadtanzeiger 03.05.2007
 

Vordem Kupferstich "Captum Philisburgum anno 1676", detaillierte Darstellung der Attacke der Deutschen, von Romanus de Hooghe, Amsterdam.

V.l.n.r.: Sponsor Karl Herd, Sparkassendirektor Manfred Blum, Bürgermeister Stefan Martus.
Rechts vom Bild Vortragender Ekkehard Zimmermann, die Unterstützer Jürgen Asmus und Manfred Bentz

Fotos: Reeb

Vor Philippsburg 1688

Vaubans "Neue Waffe" ließ die Festung beben Erinnerungen zum 300. Todestag des französischen Festungsbaumeisters

Im September 1688, zu Beginn des orleanischen Krieges um das pfälzische Erbe der Liselotte, belagerten die Franzosen mit einem Heer von 50.000 Mann erneut die Festung Philippsburg, die sie zwölf Jahre zuvor nach 32-jähriger Okkupation schmählich verlassen mussten.

Das schnelle Heranrücken des Feindes kam überraschend und hinderte die Reichstruppen daran, Philippsburg noch rechtzeitig zu verstärken. So stand der Kommandant Graf Maximilian von Starhemberg mit nur 1.600 einsatzfähigen Männern einer überlegenen Armee gegenüber, der es an nichts fehlte. Die "Ordre de Bataille" weist die berühmtesten Namen von Männern auf, die sich im Gefolge des Dauphin befanden: u.a. die Generale Monclas und Catinat, sowie die Marschalle Duras und Vauban. Letzterer kannte die Festung so gut wie seine Westentasche; wurde doch nach seinen Bauplänen der Platz mit dem Krön- und dem Hornwerk bis zum Rhein hin erweitert und der Brückenkopf (Rheinschanze) jenseits des Stromes mit neu angelegten Werken erheblich verstärkt.

Bei dieser groß angelegten Belagerung war der erfinderische Festungsarchitekt und Genie-Offizier besonders rührig und überraschte die Verteidiger mit seinen neuesten Angriffsmetho­den, die bereits in Lilie und Maastricht mit Erfolg umgesetzt wurden - dem berühmten Parallelsystem und dem Einsatz schwerer Mörser. Dem konnten die tapferen Verteidiger auf Dauer nicht standhalten. Nach 32 Tagen Belagerung und Beschießung war die Garnison völlig erschöpft: Starhemberg ließ die weiße Flagge ziehen und verlangte die Kapitulation. Unter den Militärs kursierte die Meinung: "Eine von Vauban belagerte Stadt, ist eine eingenommene Stadt."

Vauban hat 160 Festungen gebaut bzw. ver­stärkt, an 49 Belagerungen teilgenommen wo­bei er insgesamt sechsmal verwundet wurde. Er stand 57 Jahre lang ununterbrochen im Dienst seines Königs LouisXIV., der ihn 1678 zum Generalinspekteur des Festungswesens ernannte. Spätestens dann war er ständig, ent­weder zu Pferd oder in seiner von Maultieren gezogenen Kutsche und bei jedem Wetter von einer Grenze Frankreichs zur anderen unter­wegs, unermüdlich und seinem Souverän er­geben.

Wer nun glaubt, Vauban wäre nichts anderes gewesen als ein ruheloser Baumeister, Stratege und Soldat, der sieht sich getäuscht, das Gegenteil war der Fall. Angesichts der zahlreichen Facetten seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit schwindelt es einem, sich all seiner Ta­en und Lehren zu erinnern, die er der Nachwelt auch als Volkswirt, Politiker, Philosoph in seinen Büchern und in seinen Briefen hinterlassen hat. Darüber hinaus war er ein Mann mit ausgeprägten ländlichen Neigungen, einem gesunden Menschenverstand und großem Einfallsreichtum.

Vauban erfand u.a. das Gewehr mit Bajonett, den Mörser und den Ricochettschuss und er führte die Kaserne als Soldatenunterkunft in den Garnisonen ein.

Dabei blieb er stets bescheiden, beeindruckte durch seinen Mut und seine Kühnheit auf militärischer und literarischer Ebene, geizte aber auch nicht mit harten Worten, wenn es darum ging von Louvois (Kriegsminister unter Louis XIV.) die nötigen Kredite zu erhalten, die er für die Verteidigung des Landes für erforderlich hielt.
Eine weitere Erfindung darf dabei nicht außer Acht gelassen werden: die Schöpfung des "Planreliefs" zum Zwecke der militärischen Nutzung. So wurden seit 1668 - Datum der Auftragserteilung durch Louis XIV.und Louvois - die berühmten Reliefpläne angefertigt, von denen heute noch 129 vorhanden sind, darunter auch das Philippsburger Festungsmodell. Es drängt sich nun zwangsläufig die Frage auf; was hat diesen begnadeten Zeitgenossen, der bei den Karmelitern in Semur-en-Auxois studierte, wo man ihn schnell als begabten Rechner und Zeichner erkannte, dazu bewogen, die militärische Laufbahn einzuschlagen? Die Antwort ist schnell gefunden: Was blieb dem 17-jährigen Sebastien Le Prestre de Vauban damals anderes übrig, als seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten bei den Militärs unter Beweis zu stellen und dort seinen Erfolg zu suchen? Als Sohn einer völlig verarmten Adelsfamilie - geboren in St. Leger-de-Fougeret in der Bourgogne, das auf Geheiß von Napoleon l. in St. Leger-de-Vauban umbenannt wurde - wuchs der Junge in bescheidenen Verhältnissen auf. Vauban erklärte es später einmal mit seinen eigenen Worten: "Ich wurde als ärmster der Edelleute geboren."

Als Conde und sein Regiment im Schloss von Vezigneux in der Nähe lagerten, meldet sich der junge Sebastien in Bauernkleidung bei den Vorposten und wird angeworben.
 

LH

Vauban's "Neue Waffe" ließ die Festung beben Erinnerungen zum 300. Todestag des französischen Festungsbaumeisters

Bei der Belagerung von Sainte Menehould machte Vauban zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Kardinal Mazarin wurde von seinen auffallenden Begabungen unterrichtet, holte ihn zu sich und stellte ihn bald darauf in den Dienst des Königs. Für die Eroberung von Maastrich, bei der d'Artagnan sein Leben verlor, erhielt Vauban von Louis XIV.eine Belohnung von 80.000 Pfund. Dank dieser bedeutenden Gratifikation konnte es sich der Marschall erlauben, die verlorenen Ländereien seiner Familie und das kleine Chateau von Bazoches-du-Morvan im Jahre 1675 zurückzukaufen.

Nachdem Vauban das Schloss dem Familienbesitz wieder einverleibt hatte, machte er daraus eine kleine Militärgarnison; Soldatenunterkünfte entstanden und Pferdeställe wurden gebaut. Auf dem Zwischenwall über dem Curetal entstand ein neuer Gebäudeteil - die Galerie.

Darin richtete der Hausherr sein Planungsbüro ein; von hier aus wurden die Anweisungen des Baumeisters von berittenen Eilboten in alle Teile des Landes verschickt. Wenn Vauban von Bazoches sprach, redete er von zuhause. Er liebte das Schloss seiner Ahnen und die ländliche Idylle der Bourgogne, in der er groß geworden war mehr als das höfische Leben am Hofe von Versailles, für das der bodenständig gebliebene Marschall - im Gegensatz zu den Höflingen - zu offen und zu ehrlich erschien. Bezüglich Bazoches' schrieb ihm der Graf von Ponchartrain, oberster Finanzkontrollbeamter und späterer Kanzler von Frankreich: "Man muss annehmen, dass der Aufenthalt in Bazoches großen Reiz hat, da er uns ihrer Anwesenheit beraubt". Sein Herrenhaus in Paris, in der Rue Saint Vincent, diente ihm lediglich als vorübergehende Unterkunft. Seltsamerweise verschied Vauban gerade dort am 30. März 1707. Siebzehn Tage nach seinem Tode wurde sein Leichnam nach Bazoches überführt und in der Dorfkirche begraben

Unter einer Steinplatte neben dem Hauptaltar hat der berühmteste Festungsbaumeister seiner Epoche eine, von ihm selbst gewählte, äußerst ruhige und mehr als bescheidene Grabstättegefunden. Ein Poet hat diesen bewundernswerten Flecken einmal wie folgt beschrieben: "Hier ist nichts gekünstelt oder unnatürlich; alles klingt echt, das Authentische und das Greifbare in einem Dekor einfacher und majestätischer Harmonie von seltener Intensität; ein Gefühl unsagbaren Friedens und namenlosen Glücks". Wenn man durch Frankreich fährt und sich Zeit lässt, kann man noch einige seiner herrlichen Stadttore und Zitadellen bewundern, von denen viele noch erhalten sind.

Dabei dürfen die beeindruckenden Festungen am Meer nicht übersehen werden, zumal eine davon, die Festung Saint Martin de Re, für viele geschichtsbewusste Philippsburger als Modell und als Ersatz ihrer abgetragenen Festung betrachtet werden kann.

So wird die Partnerschaft mit der lle de Re auch dazu beitragen, die Erinnerungen an Vauban aufzufrischen und den ehemaligen Gegner nicht mehr als Feind, sondern im Licht eines großen Europäers erscheinen zu lassen.

Ulrich J. Pfitzenmeier
Stadtanzeiger 28.03.2007 und 03.05.2007
 

Ehrung und Vermächtnis des letzten Kommandanten
Fürstenpaar
Salm-Horstmar beim Philippsburger Festakt
 

Der letzte Kommandant der Reichsfestung Philippsburg, Feldmarschall-Leutnant Rheingraf Carl August von Salm-Grumbach, verteidigte in den II.Koalitionskriegen von 1792-1801 die Festung gegen die französischen Revolutionstruppen. Von Salm wird die Äußerung kolportiert: "Die Festung wird nichtübergeben, und wenn mir das Schnupftuch in der Tasche brennt." Im Ergebnis wurde die Stadt Philippsburg 1799 von der französischen Artillerie in Schutt und Asche gelegt. Salm galt als glänzender Soldat. Aber seine bleibende historische Stellung hatte er sich mit der nachfolgenden Hilfsaktion für die darbende Bevölkerung geschaffen. Der Verteidiger starb mit nur 58 Jahren am 8. September 1800 hinter den unbezwungenen Wällen seiner Festung. Aber nicht nur Garnison und Bevölkerung bereiteten ihm ein feierliches Begräbnis. Als Zeichen der Wertschätzung wurde die Zeremonie von ehrenden Salutschüssen der feindlichen französischen Belagerungstruppen begleitet. Nicht der militärische Einsatz, es war die menschliche Größe, die Menschlichkeit, die dem Rheingrafen von Salm auf beiden Seiten zu seiner historischen und dauernden Größe verhalf. Das Hineinwirken der Vergangenheit in die Zukunft macht nun die Bedeutung des Geschehens in die Gegenwart aus.

Auf dem Philippsburger Friedhof steht die übermannshohe Salm-Pyramide, die nicht die eigenen Leute, sondern der französische General Chapelle damals in ehrendem Andenken an einen ritterlichen Gegner und Menschen aus Festungssteinen erbaut und übergeben hatte. 1811 wollte die Familie von Salm die Pyramide mit einer Inschrift versehen, was aber bis jetzt unterblieb. Dieses Manko haben nun der heimatgeschichtliche Arbeitskreis Club Rheingraf von Salm und die Stadt Philippsburg beseitigt und eine Bronzetafel aus der Werkstatt des Steinmetzmeisters Helmut Esslinger mit der ursprünglich vorgesehenen Inschrift für die Pyramide anfertigen lassen, unterstützt durch Spenden der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe und der Familie Rauh.

Wie Salmclub-Präsident Schmitteckert ausdrücklich erwähnte, hat sich Vorstandsmitglied Geza Milvich jahrelang um die Pflege und Instandhaltung des Denkmals gekümmert.

Nachdem zuletzt ein Salm-Nachfahre 1961 bei der Einweihung der Salm-Kaserne in Philippsburg zugegen war, gab nun der Sohn, Fürst von Salm-Horstmar mit seiner Gattin der Stadt wieder die Ehre, übrigens immer noch anzureden mit "Euer Durchlaucht". In einer Ansprache auf dem Friedhof erzählte der Fürst bei der gemeinsamen Enthüllung der Tafel an der Pyramide mit Bürgermeister Stefan Martus, der ihn in Philippsburg herzlich willkommen geheißen hatte, von der Entwicklung seines Hauses und seiner Familie, verwies aber vor allem auf die Perspektiven unserer Zukunft. Dass man dem toten Gegner Salut schoss, sei damals ganz selten gewesen.
"Das war ein guter Anfang zu heute, wo es ein Europa gibt, das zusammenwächst", erklärte der Fürst und Salm-Nachfahre. Diese Bemerkung war nicht so dahin gesagt. Denn teilgenommen an der halbtägigen Feierlichkeit, die am Abend in der Festhalle ihre Fortsetzung fand, hat auch eine sechsköpfige französische Delegation in Uniform unter Führung von Oberst Gilles Weiten von der Gendarmerie Mobile in Straßburg.
Der Präsident des Salmclubs, Andre Schmitteckert, der auf dem Friedhof eine umfassende Darstellung der historischen Ereignisse gegeben hatte, war Mitinitiator dieses Besuchs der französischen "Kollegen". Alle von ihnen zweisprachig, legitimierten sie in sehr aufgeschlossen geführten Gesprächen das demonstrierte beiderseitige Bemühen heutiger freundnachbarschaftlicher Gemeinsamkeit.

Mit historisch zeitnahen Musikstücken hatte die Philippsburger Musikschule auf dem Friedhof die Feierstunde begleitet, Böllerschüsse ertönten vom Sportschützenverein. Eine große Anzahl von Philippsburgern verfolgte das eindrucksvolle Geschehen. Bei einem Empfang im "Einhorn" trug sich der Fürst anschließend ins Goldene Buch der Stadt und das des Festungs- und Waffengeschichtlichen Museums ein.

Reeb
Stadtanzeiger 05.04.2007
 

LH

Ansicht von Udenheim aus dem Jahr 1618 entdeckt

Wormser Flugschrift in der Landesbibliothek Halle/Saale beschreibt erste Zerstörung der Festung

Der Aufmerksamkeit und dem Interesse des Philippsburger Verlegers Karl-Peter Hummel ist es zu danken, dass in verschiedenen Ar­chiven wichtige Unterlagen zur Stadtge­schichte festgestellt wurden. Es handelt sich um Stiche, Flugschriften und Beschreibun­gen aus dem 17. Jahrhundert, die hier bisher unbekannt sind.

Einer der mehrseitigen Berichte enthält auf der Titelseite eine Darstellung der Erstür­mung der Udenheimer Stadtmauern und der 1615 begonnenen Festungsanlagen durch die Kurpfälzer Nachbarn u.a. Die Szene zeigt im Hintergrund die fürstbischöfliche Resi­denzstadt Udenheim anno 1618, die fünf Jahre später in Philippsburg umbenannt wurde.

Diese Rechtfertigungsschrift aus Worms wurde damals u.a. dem Reichstag in Re­gensburg vorgelegt. Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg bei Prag 1620 mussten die protestantischen Fürsten hohe Entschädigungen zahlen und Philipp von Sötern konnte seine Festung noch größer ausbauen als ursprünglich geplant.

Ekkehard Zimmermann

Stadtanzeiger Philippsburg, 15.03.2007
 

Kurpfälzer Landsknechte erstürmen die Mauern des fürstbischöflichen Udenheim und zerstören die Festungswälle
Repro: Hummel/Bubenitschek

Rathaus-Umbauarbeiten legten 43 Geldscheine frei

Mit dem Milliarden-Inflationsgeld hätte man 1923 nur wenig kaufen können

Ein Bündel mit Geldscheinen wurde beim Abnehmen eines alten Fußbodens im Altbau des Rathauses gefunden
Foto: Stadtverwaltung

Zur Überraschung der Bauarbeiter wurden beim Freilegen von Fußbodenbrettern im Altbau des Rathauses ein Bündel mit Not­geld aus dem Inflationsjahr 1923 gefunden.
Offensichtlich hatte man zu jener Zeit die gebrauchten Scheine zum Bodenausgleich unter die Bohlen gelegt. Beim Nachzählen des Geldes stellten Bürgermeister Stefan Martus und Helmut Seelinger vom Bauamt einen Betrag von 2.795 Milliarden Mark fest, für die damals die Stadtgemeinde "mit ihrem ganzen Vermögen" haftete.
Die "Geldnoten" tragen alle das Datum vom 27. Oktober 1923 und sind grafisch recht ansprechend gestaltet. So findet sich auf der Rückseite die Wiedergabe eines Kupferstiches über die Belagerung von 1676 und ein Sinnspruch, der heute noch Gültigkeit hat: "Durch Einigkeit wachsen kleine Dinge - Durch Zwietracht zerfallen die größten!"
Wie aus zeitgenössischen Berichten hervorgeht "galoppierte" damals die Inflation derart rasant, dass man für einen Laib Brot eine Milliarde Mark bezahlen musste. Der Fund wird nun museal aufbereitet und als Episode über den Um- und Neubau des Rathauses in Erinnerung bleiben.

Ekkehard Zimmermann
Stadtanzeiger Philippsburg 08.03.2007

Schutz im Wartesaal

Am Bahnhof Philippsburg braucht man nicht mehr zu frieren

"Alles neu macht der Mai." Nicht nur er. Auch "Pro Philippsburg", die Privatinitiative mit ihrer Gründerin und ersten Förderin Gaby Verhoeven-Jacobsen, steht für Neues, Erfreuliches, vor allem Nützliches in Philippsburg. Nach den umfangreichen Säuberungs-, Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten im letzten Jahr vor dem Gebäude, in der Schalterhalle und im Wartesaal gab es ein Bahnhofsfest, das auch ein Versprechen war: Wir kümmern uns weiter darum, den Reisenden als ersten Ein­druck von Philippsburg einen freundlichen und sauberen Warte- und Schalterraum zu bieten.

Um neuen Schmierereien und Vandalismus künftig vorzubeugen, wurde inzwischen eine entsprechende 24-Stunden-Video-Überwachung und -registrierung eingeführt. Mit großem Dank wurde erwähnt, dass sich die Fensterbaufirma Peter Steinel mit einer Spende für die Überwachungsmaßnahmen beteiligt hat. Streifen- und Zivilpersonen werden ihr besonderes, auch unauffälliges Augenmerk auf die Örtlichkeit richten. Anzeige wird künftig sofort erstattet. Denn noch einmal möchte man am Bahnhofsschalter nicht das Schild anbringen müssen: "Wegen Vandalismus ist der Wartesaal geschlossen".
Gerade in der kalten Jahreszeit wären die Reisenden wieder die Leidtragenden.
 

Bei der Übergabe v.l.n.r.: Beigeordneter Dieter Day, Bahnhofsbetreuer Philippsburg Christian Schwall, Pro Philippsburg-Initiatorin Gaby Verhoeven-Jacobsen, Unterstützer Ekkehard Zimmermann und Günter Dörr, stellvertretender Bahnhofsmanager für das Gebiet Karlsruhe
 

Beim Überwachungsdienst
 

An der Neueröffnung des Wartesaals nahmen jetzt neben der "Pro Philippsburg"-lnitiatorin Gaby Verhoeven-Jacobsen auch Richard Seiert, stellvertretender Bahnhofsmanager für das Gebiet Karlsruhe, der Bahnbetreuer für den Bahnhof Philippsburg Christian Schwall, Beigeordneter Dieter Day, Ekkehard Zimmermann und Günter Dörr teil.
Überall am Bahnhof sind im übrigen Warnhinweise angebracht.
Bei Beobachtungen wird gebeten, sofort eine Polizeidienststelle oder Tel. 0721/9381055 anzurufen.

Reeb
Stadtanzeiger Philippsburg, 01.02.2007
 

Letztes Geleit für Lore Rauh

Eine große Trauergemeinde begleitete auf dem Philippsburger Friedhof Lore Rauh, geborene Diefenbacher, zur letzten Ruhestätte.

Die 86-Jährige, noch bis vor kurzem vielfältig aktiv, war auf mancherlei Weise mit der Philippsburger Stadtgeschichte wie auch dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben verbunden.

1920 im Löb'schen Haus in der Söternstraße geboren, stammte sie in 7. Generation aus einer Brauerdynastie.

Großvater Wilhelm Diefenbacher hatte 1910 die seit 1847 bestehende Löwenbrauerei in Philippsburg gekauft. Nach dem Tod ihres Mannes Bruno hatte Lore Rauh die Geschäftsführung übernommen. Die Verstorbene wie ihre Söhne Werner und Die­ter Rauh zeigten sich Philippsburg nicht zuletzt durch zahlrei­che Stiftungen verbunden. Erwähnt seien die Glocke der evangelischen Kirche, die Kirchenfiguren von Petrus und Paulus an der katholischen Kirche St. Maria oder das Philippsburger Festungsmodell. Jahrelang war Lore Rauh auch im Verwaltungsrat der Sparkasse tätig, Senatorin der KaGe Narhalla und Ehrenmitglied zahlreicher Philippsburger Vereine. An ihrem Grabe sprachen nach der Familie Joachim Pöschel für den Freundeskreis, Karl-Heinz Kerner für die KaGe Narhalla und die heimatlichen Vereine und Manfred Blum für die Sparkasse Karlsruhe.

Reeb
Stadtanzeiger Philippsburg, 18.01.2007
 

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